Besuch aus Deutschland

Die letzten 3 Tage hatten wir Besuch aus Deutschland. Unsere Freundin Anne, welche in Chile Urlaub macht brachte zu unserer großen Freude diverse Ersatzteile mit. Mein alter Segelfreund Peter Bernd, der uns um Cap Horn und durch Patagonien begleitete, musterte gestern ab. Wir liegen noch auf Chiloe.
Position: 42°34,4'S 73°45,2'W

Wieder in der Zivilisation

Am 21.02.2012 um 17.00 Uhr kommt die große Insel Chiloe in Sicht. Wenig später die ersten Ortschaften, Autos; Menschen. Schlagartig wird uns bewußt - wir haben das großartige Patagonien verlassen und wir denken zurück an den 60 kn Sturm der über die Insel Herschel hinwegraste und wir die ganze Nacht Ankerwache gingen, an den Donnerhall des Gletschers Pio XI, den Blas der Wale direkt an unserem Boot, die Wasserfälle, die sich überall aus großer Höhe in die Kanäle ergießen, an die ruhigen Caletas in denen wir Schutz suchten an den Hagel, der im Gesicht brennt, an unseren warmen Ofen wenn wir abends müde und kaputt endlich eine Caleta angelaufen hatten, an die fremde überwäligende Vegetation, an die Seelöwen welche röhrend auf irgendwelchen Felsen lagen, an die eisenharten Segler die mit uns diese Gewässer befahren haben, an die Crew der 15 Meter Aluyacht ALIOTH, die mit unklarer Maschine 3 Tage auf offener Reede vor Deseado im Sturm ausharren mußten, die in Puerto Natales in die Drift gingen und Christiane kurzerhand in das eiskalte Wasser sprang um das Grundgeschirr zu klarieren. An Hans aus München mit seiner piekfeinen Reinke ALKYONE, der in Rekordzeit die Kanäle hochgebrettert ist, an Ian mit seiner Stahlyacht PERSIMMON der mehrmals in der Antarktis war, an die Legende KOTEK mit Oleg und Sophie, jetzt auf der Reise nach Alaska, an Sandy und Karl mit ihrer Ovni SHAMBALA, die in Valdivia auf uns warten, an Richard mit seiner Holzyacht ABRAZO, der von einem Williwaw gegen eine Felswand geschleudert wurde und seine Reise mit verbogenem Propeller fortsetzte und an Nana und Andreas, von der MIEPKE II, die ihren Propeller verloren, zurücksegelten und wochenlang auf der offenen Reede von Puerto Natales auf ihren neuen Propeller warteten. Ihnen Allen rufen wir zu:Good luck, always fair winds, hope to see you again somewhere on the globe!!!!!

Am 21.02.2012 um 21.00 Uhr machten wir unsere Leinen in der kleinen Marina Quinched auf der Insel Chiloe fest - die Reise um Kap Horn und Patagonien war beendet.


Puerto Eden - Golfo de Penas - Darwin Passage

Am nächsten Morgen, 17.02.12 um 08.45 Uhr warfen wir bei herrlichem Sonnenschein die Leinen los und genossen die Fahrt nordwärts durch die Kanäle. Abends um 23.00 Uhr erreichten wir den Pazifik. Der Wind hatte stark zugenommen, Schwimmwesten angelegt und angeleint mußten wir uns erst wieder an die  Schaukelei gewöhnen. Das Boot arbeitete schwer in der hohen SW Dünung und
See. Sehr schnell mußten wir das Großsegel reffen. Die Überquerung des gefürchteten Golfo de Penas hatte begonnen. Morgens um 11.00 Uhr hatten wir das Cap Raper quer und der Golf war überquert! Plötzlich sah man überall den Blas von vielen Walen, gespannt warteten wir ob sich uns einige Tiere nähern würden. Und tatsächlich befanden wir uns Augenblicke später Mitten in einer Schule von Buckelwalen. Die riesigen Tieren querten in nur einigen Metern unseren Bug, tauchten plötzlich direkt neben dem Boot auf. Ich versuchte auszuweichen, wußte aber nicht wohin, da die Wale überall waren. Barbara gelangen einige einmalige Bilder! Da Nachmittags eine Kaltfront durchziehen sollte ankerten wir für die Nacht in der Caleta Cliff.Am 19.02 2012 bei frischem Westwind setzten wir die Reise fort.Sogar segelnd! Um 01.45 Uhr am 20.02. fuhren wir in die Darwin Passage ein und befinden uns jetzt wieder in den Kanälen.

Position 44°54,2'S 73°32,9'W

Puerto Eden

Am nächsten Morgen, den 16.02.2012 oh Wunder, die Sonne scheint. Ich rudere mit dem Beiboot sofort zur Armadastation und melde uns dort an. Um 10.00 Uhr hieven wir den Anker und steuern auf das Dorf zu als ein Mann mit einem offenen Fischerboot winkend auf uns zukommt. Unser Diesellieferant! Er lotst uns zu einer Stichpier mitten im Dorf an der wir festmachen. Der erste Eindruck - welch schönes Dorf! Sogleich begann die umständliche Übernahme des Diesel mit Hilfe unserer Schlauchpumpe. Barbara eilte ins Dorf um bei einer Frau frische Brote zu bestellen, welche die Frau für durchfahrende Segler backt.Die herrlich frischen Brote wurden 3 Stunden später an Bord geliefert. Außerdem organisierte Barbara zusammen mit Peter die Frischwasserübernahme und besuchte den Supermarkt, der nicht viel größer ist als unser Salon. Als alles erledigt war, beschlossen wir einen Tag zu bleiben. Die Wanderschuhe angezogen und los ging's. Das Dorf befindet sich auf einer ca. 1qkm großen ca. 30m hohen Insel und hat ca. 200 Einwohner. Alle Häuser stehen am Ufer und sind durch einen stabilen Holzbohlensteg miteinander verbunden. Das hat den Vorteil, das man bei Regen den moorigen Boden nicht betreten muß.Irgendwelche Verkehrsmittel gibt es nicht, alles wird zu Fuß erledigt. Alle Häuser sind bunt angemalt und wir waren sehr angetan von der einfachen, bescheidenen Lebensweise dieser netten Menschen.


















Caleta Parquet - Gletscher Pio XI - Puerto Eden


Am 14.02.2012 konnten wir die Caleta Paraquet, in der wir mit 4 Landleinen an Bäumen festgemacht hatten, endlich verlassen. Am Nachmittag des 13.02. hatte ich ich mit Barbara per Beiboot eine schöne Rudertour durch die wunderschöne Caleta gemacht, auch konnten wir kurz an Land gehen. Immer wieder sind wir von der üppigen Vegetation hingerissen.    






Den ganzen Tag motorten wir bei strömendem Regen nach Norden und erreichten mit dem letzten Licht um 22.00 Uhr die Caleta Parry, wo wir ankerten. Um 06.20 Uhr am 15.02.2012 war der Anker auf und voller Vorfreude fuhren wir dem Gletscher Ventiquero PIO XI wiederum bei strömendem Regen entgegen. Dieser Gletscher ist der größte außerhalb der Antarktis alleine die Gletscherzunge ist 3,5 km lang und die Höhe der Abbruchkante beträgt 50 Meter. Um 12.40 Uhr erreichten wir den Gletscher, setzten das Beiboot aus und Barbara und Frank landeten auf der Gletscherzunge. Peter und ich blieben an Bord. Ich hatte ein sehr ungutes Gefühl und wartete ungeduldig auf die Rückkehr der Beiden. Sollte der Gletscher jetzt kalben, hätten die Beiden erschlagen werden können oder das Beiboot hätte kentern können. Aber die Beiden kamen unversehrt an Bord, und die Bilder die sie machten sind einmalig.
Um 14.15 Uhr setzten wir die Reise, immer noch bei strömendem Regen fort und ankerten um 22.15 Uhr vor der Armadastation in Puerto Eden.












Caleta Paraquet 50-39,6 S 074-33,1 W

Am 07.02 2012 verließen wir endlich die Reede der Estancia Eberhardt, kurze Zeit später nahm der Wind schlagartig auf 8 Bft zu und wir waren froh um 13.50 Uhr in der Caleta Delano Unterschlupf gefunden zu haben.Am nächsten Morgen brachten wir Landleinen aus, da ein Sturm angesagt war. Ein einsamer Fischer, der als Einsiedler dort in einer selbstgebauten Hütte lebt half uns bei dieser Arbeit. Anschließend luden wir ihn zu einem kleinen Umtrunk ein woraufhin er uns einen riesigen Lachs schenken wollte. Den Lachs nahmen wir gerne, allerdings bezahlten wir ihn ( 10 000 Pesos, ca 13 €). Am nächsten Mittag um 15.45 Uhr liefen wir bei WNW 8 Bft aus um rechtzeitig bei Stauwasser in der schmalen Einfahrt des Santa Maria Canals zu sein (bis zu 8 kn Strom) In der Einfahrt wurden wir von williwas (extreme Sturmböen) überrascht und alle hatten das Gefühl jetzt sind die Grenzen des Yachtsports erreicht. Wir retteten uns in die Caleta Mousse und beendeten den Tag mit einer Flasche Wein. Gestern Morgen ging es ganz früh weiter, endlich mal bei ruhigem Wetter. Wir fuhren die ganze Nacht durch und liegen jetzt in der Caleta Paraquet, da heute eine Kaltfront durchzieht.


Barbara's Bericht Caleta Delano

Wir hatten am 08.02.2012 einen außergewöhnlich schönen Tag. Hier in der sehr geschützten Caleta befindet sich eine Lachsfarm mit netten Arbeitern. Seit 30 Jahren lebt hier ein jetzt 65 Jahre alter Mann in einer grün angestrichenen Blechhütte, die eine Tür und 2 Fenster hat, außerdem ein hohes Schornsteinrohr. Die Fenster sind nicht verglast und rußgeschwärzt. Er ist eins mit der Natur, eine schöne Ausstrahlung aus einem Indianergesicht. Am 1. Tag erhielt er 1 Schachtel Zigaretten und wir unaufgefordert 4 Fische. Gestern Waren wir für einen Spaziergang an Land, schenkten ihm etwas Gemüse und Obst und Zigaretten. Nach einem ausgedehnten Spaziergang tranken wir 1 Flasche Wein mit ihm. Er schenkte uns 1 großen Lachs, den wir jedoch bezahlt haben.
Sein Ofen im Haus ist ein großes Eisenfaß. Als wir den Wein getrunken haben, spielte Karibik-Musik aus seinem Kofferradio. Am Nachmittag werden wir wohl 11 sm weiter gehen, in den Canal Santa Maria. In der Einfahrt herrscht ein starker Gezeitenstrom, der uns hier in der Weiterfahrt blockieren würde. Wir haben endlich eine Wetterbesserung in Sicht, d.h. Gas geben. Unser Ziel ist jetzt erst einmal Puerto Edén.










Puerto Natales

Gestern Morgen, am 30.01.2012 hievten wir schon früh den Anker um an der Fischereipier Wasser und Diesel zu bunkern. Der Wind SW3. Dort angekommen sagte man uns der Tanklaster könne erst um 12.00 Uhr anliefern, außerdem muss noch das ok von der Armada eingeholt werden ( Formular, drei Durchschläge), das hat dann Barbara per Taxi erledigt. Wir übernahmen sofort 300 ltr Frischwasser. Um 10.00 Uhr hatte der Wind schon wieder auf SW6 Bft aufgefrischt und wir mußten die Pier verlassen,da es für uns gefährlich wurde dort zu liegen. Wir sind dann 10 sm den Fluß hinauf gefahren und liegen jetzt ruhig und sicher in herrlicher Landschaft vor der historischen Estanzia Eberhardt hier wird heute noch Schaf- und Pferdezucht betrieben. Der Besitzer Rudi Eberhardt ist ein direkter Nachfahre des Gründers Hermann Eberhardt. Hermann Eberhardt verließ Deutschland und gründete hier 1893 diese Estanzia, sie ist eine der ältesten in dieser Gegend. Herr Eberhardt bestellte noch gestern Nachmittag den Tanklaster, der auch prompt abends unseren Brennstoff anlieferte. Heute Abend wollen wir auf der Farm groß essen, Nana und Andreas von der Miepke 2 werden auch anwesend sein.